Aiverti: Startbahn für KI im KMU

En Mann arbeitet am Notebook im "KI-KMU"

Ohne Startbahn steckt ein Flugzeug am Boden fest. Schließlich braucht das schwere Ding erst mal ordentlich Schub für Auftrieb unter den Flügeln. Das Berliner Startup Aiverti will dem deutschen KMU-Markt eine Startbahn zum KI-gestützten Unternehmen bauen.

Vielen Geschäftsführern im Mittelstand ist klar, dass an KI kein Weg vorbeiführt. Doch sie fürchten Startprobleme: Wie stellt man geordnet und sicher auf KI-gestützte Prozesse um – ohne Personal oder Budget, um eine eigene Fachabteilung dafür einzurichten?

Der im November 2025 gegründete Berliner Anbieter Aiverti will helfen, die Schwerkraft dieser Problematik zu überwinden. Aivertis gleichnamige Managed-AI-Plattform bündelt die kontrollierte Entwicklung, zentrale Verwaltung und rollenbasierte Nutzung von KI-Apps und -Agenten in einem Software-Angebot. Hinter diesem steht die Cortado Holding, Muttergesellschaft von ThinPrint, Ezeep und Cortado Mobile Solutions. Aiverti-Gründer und -Chef ist Holding-Vorstand Carsten Mickeleit, mit dem ich über sein jüngstes Projekt gesprochen habe.

Modellsparsamkeit statt „Alles oder nichts“

Aiverti läuft als Cloud-Lösung, gehostet bei AWS in Frankfurt. Der Clou steckt in der Wahlfreiheit beim KI-Modell. Wer will, nutzt die großen US-Modelle ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity. Wer aus Datenschutzgründen in der EU bleiben möchte, greift zu europäischen Varianten, etwa dem französischen Mistral oder dem Open-Source-Modell Llama, gehostet beim Partner Ionos. Und für hohe Sicherheitsansprüche hat Aiverti Googles Gemini Nano gekapselt, das komplett lokal im Chrome-Browser läuft.

Diese lokale Variante überträgt laut Carsten Mickeleit nichts in die Cloud, könne aber „erstaunlich viel“: Korrektur, Übersetzung, Zusammenfassung etc. Und weil sie lokal arbeitet, verbrauche sie keine Tokens. In Anlehnung an das Datenschutzprinzip der Datensparsamkeit sagt er: „Wir ermöglichen Modellsparsamkeit.“ Der Anwender entscheidet – entsprechende Rechte vorausgesetzt – situativ, ob ein Vorgang wirklich zu einem US-Hyperscaler wandern muss oder ob eine europäische KI reicht. „Bei uns ist Mistral nur einen Klick weit entfernt“, so Mickeleit.

Praktisch: Ein einziges Aiverti-Abo genügt, um diverse KI-Modelle selektiv zu nutzen. Bei Texten mit eingebundenen Bildern kombiniert die Software automatisch Text- und Bildmodelle. Auf dieser Basis können Unternehmen ihren eigenen Pool an KI-Agenten und -Apps aufbauen. Die KI-Apps sind als Progressive Web Apps auch auf Mobilgeräten nutzbar.

Wie das in der Praxis aussehen kann, erläuterte Mickeleit anhand eines Beispiels aus dem Cortado-Alltag, wo rund 80 Beschäftigte Aiverti schon nutzen: Eine App transkribiert Vertriebsgespräche und ermittelt, welche Chancen man verpasst hat. Außerdem gibt es unter anderem eine „Gend-o-Mat“-App, die Texte auf Wunsch automatisch gendert.

Delegierbare KI

Das Cockpit der Lösung fußt auf einem dreistufigen Rollenmodell: Administratoren dürfen alles (außer die Chats der Nutzer einsehen), Power User schreiben eigene Agenten und wählen Modelle selbst, normale Nutzer greifen nur auf freigegebene Funktionen zu.

Der Organsationsverwaltung dient ein übersichtliches Web-Interface

Dieses Rollenmodell erleichtert die geordnete und sichere Einführung von KI. „In jedem Unternehmen gibt es KI-Experten, aber nicht jeder im Unternehmen ist KI-Experte“, sagt Mickeleit. Nicht jeder lese sich die Prompting-Anleitung durch und prompte ausführlich. Mickeleits Lösung: „Wir haben KI delegierbar gemacht.“

Alles, was Expertenwissen verlangt, bereitet der Administrator zentral vor und verteilt es dann, z.B. rollenspezifische KI-Agenten oder hausinterne Wissensdatenbanken. Der HR-Agent für die Personalabteilung z.B. wisse dank Vorabkonfiguration, was er nicht verarbeiten darf und wann er auf einen Anwalt verweisen muss.

Für sensible Daten bietet Aiverti die Option einer automatischen Pseudonymisierung. Echtnamen werden dabei vor der Übermittlung durch Pseudonyme ersetzt und in der Antwort wieder zurückübersetzt. So bleibt der Vorgang für die Nutzer transparent.

Ein Reihe von Security-Funktionen schützen die Arbeit mit den KI-Agenten und -Apps

Eine weitere hilfreiche Sicherheitsfunktion: Eine Stopp-Wörterliste, definiert vom Administrator, bricht Vorgänge bei kritischen Schlagwörtern ab. Auf Knopfdruck erzeugt die Lösung zudem einen Report gemäß EU-KI-Verordnung (AI Act), der Einsatz und Risiken darlegt.

Grenzen der Lösung

Aiverti hat selbst gerade erst die Startbahn verlassen – offizieller Launch war im Mai. Administratoren können Nutzer deshalb zwar anlegen, aber noch nicht aus dem Active Directory importieren. Für größere Belegschaften bedeutet das zunächst Handarbeit. Die Software wird allerdings hochgradig KI-gestützt entwickelt. Fehlende Funktionalität lässt sich laut Mickeleit dadurch zügig anbauen. Auch die Anbindung aktiver Datenquellen mittels Model Context Protocol (MCP) ist im Beta-Stadium und soll bald verfügbar werden.

Der Vertrieb läuft über das Schwesterunternehmen Cortado Mobile Solutions, das sein Portfolio damit von Managed Devices auf Managed AI ausweitet. Die Business-Lizenz kostet monatlich 18 Euro plus MwSt. pro Nutzer und ist ab zwei Nutzern erhältlich. Eine Nur-Text-Lizenz (also ohne Bild-KI) gibt es bereits ab acht, eine Professional-Version ab zwölf Euro plus MwSt. pro Monat.

Das klingt nach einem überschaubaren Kostenblock für eine künstlich intelligente Startbahn. Zumal genau diese Anschubhilfe den Unterschied machen kann, ob ein Unternehmen am sicheren Business-as-Usual-Boden bleibt oder abhebt zu neuen KI-Zielen – ohne dass das Pilotprojekt mit einer Bruchlandung endet.


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Titelbild: KI-generiert/Cartoon Wolfgang Traub/Montage Dr. Wilhelm Greiner; weitere Bilder: Screenshots Dr. Wilhelm Greiner