Regensburg gibt es bald zweimal. Ein digitaler Zwilling der städtischen Bausubstanz soll den Bürgern aufzeigen, wie sie ihre Immobilien energetisch sanieren können. Zugleich soll er der Stadtverwaltung ein aktuelles Lagebild des Sanierungsbedarfs liefern.
Regensburg ist bei Extremwetter von Donau-Hochwasser bedroht, bei Sommerhitze mutiert die großflächig gepflasterte Altstadt zum Backofen. Die Dringlichkeit, sich an den Klimawandel anzupassen, liegt also auf der verschwitzten Hand.
Die Stadt arbeitet deshalb zusammen mit der örtlichen Ostbayerischen Technischen Hochschule an einem 3D-Modell des Gebäudebestands. Das Ganze soll aber eine Gemeinschaftsaufgabe werden: Hauseigentümer können dieses Modell künftig per Self-Service-Web-Interface um eigene Angaben zur Bausubstanz und bereits ergriffenen Modernisierungsmaßnahmen ergänzen.
Durchblick für alle Beteiligten
Das Ziel: Die Stadtverwaltung erhält erstmals – besser spät als nie – einen Überblick, wo in welcher Form und in welchem Ausmaß energetische Sanierungen der oft steinalten Häuser nötig sind. Deren Eigentümer wiederum können sich mittels hinterlegter Geodaten, Gebäudemerkmale und Berechnungsverfahren individuell ausrechnen lassen, was welche Sanierungsmaßnahme kosten würde – und wie viel Heizkosten sie dadurch sparen. Das schafft Anreize, die Ärmel hochzukrempeln. Und das nicht nur, weil’s draußen 35 Grad hat.
Das Projekt „Digitaler Energie-Zwilling“ läuft seit 2023, Ende 2027 soll es abgeschlossen sein. Das Projektteam hat dafür Messwerte mit einem dynamischen 3D-Gebäudemodell zusammengeführt, in dem umfangreiche Gebäudeinformationen hinterlegt sind: Flächen, Volumen, Baujahr, Gebäudehülle, Sanierungszustand und mehr. Die Angaben zu Grundstücken und Gebäuden stammen vom örtlichen Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, die Höhenangaben aus landesweiten Laserscans des bayerischen Vermessungsamts.
Um die Geodaten mit Informationen anzureichern, nutzt das Projektteam die Software VC Publisher. Die Self-Service-Applikation soll, wie Mitte Juli auf den Bayerischen Energietagen in Regensburg zu erfahren war, im Herbst fertig werden. Also, voraussichtlich.

Der Stand der Stadt Regensburg (im Bild links) auf den Bayerischen Energietagen Mitte Juli
Fahrplan zur Smart City
Die Oberpfälzer Domstadt zählt rund 180.000 Einwohner (Stand: Ende 2025) und knapp 23.800 Gebäude (Stand: Ende 2024). Bis Ende 2026 will die Stadt einen „strategischen Fahrplan“ entwickelt haben, um klimaneutral zu werden.
Bislang blockieren – wie so oft – vor allem zwei Hindernisse den Weg zur Klimaneutralität: der PKW-lastige Stadtverkehr sowie veraltete Gebäudebeheizung und -dämmung. Beide Probleme will die Stadt mit digitaler Technik angehen und sich zur „Smart City“ entwickeln. Begleitend gibt es Projekte zur Stadtbegrünung, obschon bislang nur punktuell.
Die Kombination von 3D-Modell und Bürgerbeteiligung zur Gebäudesanierung kann ein Gewinn für beide Seiten sein – zumindest wenn die Bürgerinnen und Bürger eifrig mitmachen. Anschließend will Regensburg die Software auch anderen Kommunen als Open Source zur Verfügung stellen.
Damit könnte künftig jede Stadt ihren digitalen Doppelgänger bekommen. Und an immer mehr Orten könnten die Bürger merken, dass es sich nicht nur bei einer Hitzewelle lohnt, die Ärmel hochzukrempeln.
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Header-Bild: KI-generiert/Cartoon Wolfgang Traub/Montage Dr. Wilhelm Greiner
Bild 2: Dr. Wilhelm Greiner
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