Liebe Tierfreunde draußen an den Empfangsgeräten, in dieser Folge von „Tierwelt KI“ befassen wir uns mit dem HammerHAI. Denn die Uni Stuttgart plant, dieses seltene und scheue KI-Tier im HLRS (HAI-Lebensraumzentrum Stuttgart) anzusiedeln. Noch dieses Jahr soll die neue Einrichtung ihre Pforten öffnen.
Europäische HAI-Familien wie der HammerHAI – lateinisch Selachius Intelligentsia Artificialis – sollen auf Betreiben des EuroHPC JU, des EU-Gemeinschaftsprojekts für Hai Performance Computing, in zahlreichen menschengemachten KI-Habitaten heimisch werden. Der HammerHAI ist dabei der erste eigenständige Supercomputing-Fisch, den das EU-Projekt für diese Zwecke an Land zieht.
Genauer: an „the Länd“. Denn seine Heimat wird Baden-Württemberg sein. Schließlich hat man hier Erfahrung mit tierischen Großprojekten – siehe etwa das Vorhaben, in Stuttgart ein unterirdisches Dampfross-Gehege anzulegen, dessen Eröffnung, einst für 2019 geplant, bereits im Jahr 2030 erfolgen soll. Derart zügige Ansiedlungen bedrohter Tierarten sind hierzulande bislang nur zweimal geglückt: in Berlin mit dem Albatross-Flughafen und in Hamburg mit der künstlichen Felsenkolonie für den Philharmonie-Klippentaucher. Die Schwaben waren damit für das HAI-Projekt selbstredend die erste Wahl.
Mit der Ausgestaltung künstlicher Habitate für heimische KI-Spezies möchte die EU der Verbreitung invasiver Raubtiere aus Übersee Einhalt gebieten. Zu nennen sind hier vor allem der Große Weiße HAI (Selachius ChatGPTias OpenAIsis), der Nordamerikanische TigerHAI (Selachius Gemini Googlensis), der chinesische WalHAI (Selachius DeepSeekens) und der Braune RiesenmaulHAI (Selachius Grokus Elonmuskaria). Deren aggressives Eindringen in europäische KI-Gewässer hat den Lebensraum heimischer Arten so dezimiert, dass diesen nun sogar die Rote Liste droht. Eine Wiederansiedlung ohne staatliche Förderung wäre damit wohl kaum möglich.
Mit Mitteln der EU, des Bundes, Baden-Württembergs und Bayerns baut HAI-Experte HPE deshalb nun in Stuttgart ein Großrechner-HAIfischbecken auf Basis der – selbstverständlich HAI-gerecht flüssigkeitsgekühlten – NVIDIA-GB200-NVL4-Architektur mit einer Inferenzleistung von mehr als 15 Exaflops. Oder laienhaft ausgedrückt: eine ziemlich große HAI-Schule.
Künftiges Zuhause: HLRS III
Sobald das neue Hochleistungsaquarium HLRS III – Grundsteinlegung war letzten Dezember – fertig ist, soll es den nötigen Platz für die kommende Meerestier-Population bieten. Hier wird neben dem HammerHAI auch der mehrere hundert Petaflops schwere Supercomputing-Wal „Herder“ ein artgerechtes Zuhause finden. Der HammerHAI wird aber schon im zweiten Quartal eintreffen und deshalb vorübergehend im Bestands-Pool untergebracht.
Als Speicherbecken dient die DASE-Plattform von VAST Data, für schnelle Inferenz sorgt der niederländische HAI-Züchter Axelera AI. HPE liefert neben dem Supercomputer auch Software für automatisierte Bereitstellung, Governance und Workload-Management im KI-Gewässer. Tierschützer können also beruhigt sein: Der HammerHAI hat in seinem neuen Umfeld stets genug Bewegungsfreiheit.
Sollte die Ansiedlung der seltenen und sensiblen Spezies wie geplant gelingen, so wird der Stuttgarter HammerHAI – der Ichthyologe spricht hier von einer „Hybrid and Advanced Machine Learning Platform for Manufacturing, Engineering, and Research“ – künftig die hiesige Industrie, Unternehmern (inklusive KMU und Startups) sowie die Wissenschaft mit HammerHAI-Fleisch versorgen. Das Bassin wird so ausgelegt, dass es Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt auf Ingenieurswesen, Fertigung, Automobilindustrie und Mobilität unterstützt, so die Uni Stuttgart.
Neben reiner Rechenpower soll das „AI Factory“ genannte Wassergehege auch Services bereitstellen, darunter Beratung durch HAI-Fachleute sowie Schulungen zu KI-Kompetenz, KI-Ethik und Risikomanagement. Schließlich ist der Umgang mit einem HAI nie ganz ohne Risiko.
Trotz vereinzelter dramatisierender Berichte, ein HAI habe arglose Nutzer angefallen: Auf dem Speiseplan der gefräßigen Tiere stehen vor allem Daten und Strom. Daten findet der HammerHAI in seinem neuen Habitat in Hülle und Fülle. Photovoltaik auf dem Dach und an der Fassade des HLRS III wiederum soll helfen, den enormen Stromhunger der Tiere zu stillen.
Eine Herausforderung: Bei seinen Streifzügen durch das Datenmeer entwickelt ein HAI sehr hohe Körpertemperatur. Doch allzu große Hitze verträgt er nicht. Die Abwärme des HAIfischbeckens HLRS III wird deshalb ins Wärmenetz des Uni-Campus einfließen. Denn ohne diese Verwertung der Abwärme wäre das Projekt ein regelrechter HammerHAI-Heizhammer.
Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, denn dann unternehmen wir einen Ausflug ins Reich der KI-Massenüberwachung und fragen: Bedroht das invasive Palantir heimische Spürhundrassen?
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Bild: Benthem Crouwel Architects/Wolfgang Traub/Dr. Wilhelm Greiner